Entstehung und Entwicklung

 

Diestelbruch und der mit ihm eng verbundene Ortsteil Hülsen sind Teile der ehemaligen Gemeinden Leistrup-Meiersfeld und Oberschönhagen. In der lippischen Siedlungs- und Waldgeschichte wird "Dyselbrok" (Diestelbruch), von Dr. Schmidt als ein Gehölz beschrieben. Als Brok = Bruch wurde eine unfruchtbare, feuchte Niederung bezeichnet, die auch von Disteln, Erlen und Birken bewachsen war.

Am Rande dieses Bruches befand sich die Bauernschaft Leistrup. Geht man davon aus, dass im Mittelalter nur "Platt" gesprochen wurde, so ist der Name Diestelbruch, bis auf die neue Schreibweise, im Wortlaut unverändert geblieben.

Außer Leistrup gehörten auch Döringsfeld, Schönemark sowie der Leistruper Wald (früher Steinhagen), der seinen Namen nach der Bauernschaft erhalten hatte, zum Besitz Braunschweiger Edelherren. Diese hatten den Ansiedlern den Grund und Boden zur Nutzung als Lehen überlassen. Dafür waren an die Besitzer erhebliche Abgaben zu leisten.

Dass das Gebiet um den Leistruper Wald schon vor Jahrtausenden besiedelt war, beweisen die sich hier befindlichen Grabstätten aus früheren Zeitepochen. Die Anbauflächen wurden im Mittelalter durch Rodungen erweitert. Auf nicht zu bearbeitenden Flächen bildeten Eichen und Hainbuchen den Baumbestand, deren Früchte der Mast dienten, während die Grasflächen als Hude genutzt wurden. Die Hude- und Mastrechte bestanden noch bis in das 19. Jahrhundert.

Bei der Besiedlung darf man nicht an die heutige Bauweise denken. Als Baumaterial standen nur Steine aus dem Wald für den Unterbau sowie Bäume in verschiedenen Größen zur Verfügung. In Verbindung mit Lehm wurden die Wände hergestellt und verdichtet. Es waren Hütten, in denen Menschen und Tiere unter einem Dach lebten.

Im Schatzregister des Staatsarchivs Detmold ist die Familie Berchane, Lestintorpe, erstmalig im Jahre 1391 genannt. Sie hatte an die Familie von Schwarze, Paderborn, jährlich 35 Schillinge zu zahlen. Diese Besitzung hatte sie, wie auch andere in der Umgebung, als Lehen von einem Braunschweiger Edelherren erhalten.

In dieser Zeit bestand in der Richtung "Bruch" auch schon der Hof Kesting (Karstinch). Von beiden Anwesen waren über Jahrhunderte die gleichen Abgaben zu entrichten.
Als nächster folgte Distellmeyger. Der Name besagt, dass er in dem von Disteln bewachsenen Bruche als erster angesiedelt war.

Mit der weiteren Besiedlung entwickelte sich dann in Jahrhunderten ein Dorf. Das Zusammengehörigkeitsgefühl der Einwohner gestaltete das dörfliche Leben.

Ende des 18. Jahrhunderts bestand eine Schützengesellschaft deren Fahne, ein Geschenk der Fürstin Pauline, wurde im Jahre 1803 eingeweiht. Sie wird bis heute im Landgasthof "ALTER KRUG" unter Glas aufbewahrt.

Diestelbruch und das mit ihm verbundene Hülsen sind an drei Seiten von Wald umgeben. Diese Umgebung hat das Leben der Menschen hier erheblich beeinflusst, wenn nicht sogar entscheidend mit geprägt. Viele Einwohner haben, wenn sie keine Landwirtschaft hatten, ihren Lebensunterhalt als Waldarbeiter verdient oder sind als Ziegler in die Fremde gezogen. Andere gingen zum Grasmähen nach Holland; sie wurden "Die Hollandgänger" genannt. Wer landwirtschaftliche Erzeugnisse verkaufen wollte brachte die Naturalien, oft zu Fuß, nach Detmold. Der sonntägliche Kirchgang nach Detmold war selbstverständlich.

Mit der zunehmenden Industrialisierung hat sich das Landleben überall gewandelt. Sie brachte Veränderungen in die dörflich-ländliche Struktur und änderte die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Einwohner. Immer weniger Ziegler arbeiteten auswärts. Durch die Entwicklung nach dem ersten Weltkrieg, besonders in der Möbelindustrie, fanden viele Beschäftigung in der Heimat. Ein bedeutender Aufschwung erfolgte nach dem zweiten Weltkrieg. Durch die rege Bautätigkeit in der Nachkriegszeit gewann Diestelbruch immer mehr an Bedeutung und ist heute einer der größeren Stadtteile von Detmold.

Um die Jahrhundertwende

standen in Diestelbruch/Hülsen ca. 42 Wohngebäude,

im Jahre 1950 waren es etwa 81,

im Jahre 1990 ungefähr 590.

Viele Menschen haben hier eine zweite Heimat gefunden.

Der Bau eines der ersten Feriendörfer mit kleinen Bungalows in gepflegter Umgebung war ein besonderer Höhepunkt. Darüber hinaus machte der Ort auf sich aufmerksam durch die wiederholte, erfolgreiche Teilnahme am Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden". Die Nähe zur Stadt Detmold, die kurze Verbindung zum Staatsbad Meinberg, sowie das große Wandergebiet des Leistruper Waldes mit den Opfersteinen und dem Steinhügelgrab aus der Bronzezeit, machten Diestelbruch als Urlaubs- und Erholungsort weithin bekannt. Viele Menschen haben in diesem liebens- und lebenswerten Ort ihre zweite Heimat gefunden. Diestelbruch ist heute eine lebendige örtliche Gemeinschaft mit einem regen Vereinsleben. Es liegt an einer Nahtstelle zwischen Detmold und Bad Meinberg, verbunden durch den Leistruper Wald. Dadurch wurde Diestelbruch zu einem beliebten Urlaubs- und Erholungsort.

 

Die Beschaffenheit der Landschaft sowie die Geschichte des Dorfes ist ausführlich beschrieben in der Chronik "Diestelbruch" von Wilhelm Tiemann.

 

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